„Es sieht gut aus für Betty Heidler“ – Norbert König im Interview

Norbert König ist seit 1988 Olympia-Reporter beim ZDF und berichtet auch in London wieder über seine Sportarten Leichtathletik und Fechten. Bekannt ist er vor allem durch die Interviews, die er direkt nach den Wettkämpfen mit den Sportlern in der Mixed Zone führt. Mit Road to London sprach der 53-Jährige über Enttäuschungen in der Qualifikation, Doping und deutsche Favoriten. Eine Wette wollte Norbert König nicht eingehen, trotzdem hat er sich festgelegt: die sicherste Goldmedaille der deutschen Mannschaft geht an Hammerwerferin Betty Heidler. Ich halte nicht dagegen, sage aber, dass die Goldmedaille der deutschen Ruderachter in noch trockneren Tüchern ist. Wir werden sehen, wer oder ob vielleicht sogar beide Recht hatten.

Hier stand ein Video mit Interviewpartner Norbert König. Er hat sich gewünscht, dass ich es wieder runternehme. Tun wir ihm den Gefallen.

Die Kernaussagen von Norbert König zusammengefasst:

Road to London: London 2012 sind die siebten Olympischen Spiele, bei denen Sie als Reporter dabei sind. Welche sind da besonders in Erinnerung geblieben?

Norbert König: In erster Linie Sydney, weil es einfach eine tolle Stadt ist. Und weil ich dort ganz besondere Ereignisse miterleben durfte, wie zum Beispiel der 400-m-Lauf von der Aborigine Cathy Freeman. Das war einfach unglaublich, wie mucksmäuschenstill es war vor dem Startschuss – ich krieg‘ jetzt schon wieder Gänsehaut – und dann 80.000 Menschen einen unglaublichen „Roar“ gemacht haben in dieser knappen Minute bis sie als Erste durch das Ziel gelaufen war. Sie kam dann hinterher auch zu einem kurzen Interview. Das war schon ganz speziell. Auch Heike Drechsler ist ja dort noch einmal Olympiasiegerin im Weitsprung geworden. Das waren mit Sicherheit mit allem drum und dran die tollsten Spiele.

Wie bekommen Sie die Sportler dazu, direkt nach dem Wettkampf ein Interview zu geben. Sind die nicht total ausgepowert? Bekommen die überhaupt noch ein Wort heraus?

Das fragen mich auch immer sehr viele Bekannte oder Freunde, die das natürlich auch kritisch sehen. Aber erstens bleibt mir einfach nichts anderes übrig, als bei solchen Veranstaltungen die Sportler direkt dazu zu bewegen, bei mir stehen zu bleiben. Die laufen eben durch diese Mixed Zone und wenn ich sie durchlaufen lasse aus Mitleid, damit sie sich noch erholen können, kommen die auch nicht mehr zurück. Die haben inzwischen aber auch absolut Verständnis dafür und haben auch das Interesse, sich selbst zu präsentieren. Dann ist das halt so. Man muss einfach hoffen, dass man sie trotz des Hechelns noch halbwegs versteht.

Das Thema „Doping“ ist ein leidiges Thema. Es wird uns aber dennoch in London wieder beschäftigen, weil wahrscheinlich wieder ein paar Sportler des Dopings überführt werden. Wundert Sie das überhaupt noch?

Nein, das wundert mich nicht. Das ist halt so. Das muss man einfach aufgrund der Quote der positiven Dopingtest so konstatieren. Das wird es auch immer geben, solange es nicht – was ich absolut nicht befürworte – eine Trennung gibt zwischen gedopten Wettbewerben und nichtgedopten. Zumal sich auch dann die Doper wieder einschleichen würden bei den Nichgedopten. Das ist einfach ein Phänomen der Zeit, weil sich auch viele im Hintergrund darum bemühen, dass ihre Athleten stärker werden – Ärzte, Manager, von mir aus auch Trainer. Wenn man den Beweis geführt hat, kann man sagen, dass jemand gedopt ist, ansonsten sollte man sich eben mit diesen Verdachtsäußerungen sehr zurückhalten, weil es natürlich auch ehrenrührig ist und einfach auch nicht erlaubt ist. Viele Menschen werden zum Beispiel sagen, dass es einem bestimmten Sprinter nicht möglich ist, so der Konkurrenz vorauszurennen. Im Wintersport hat es ja mal das Beispiel gegeben: Johann Mühlegg, der auch allen innerhalb von ein paar Tagen dreimal vorausgerannt ist, bei dem dann aber auch herauskam, dass er gedopt war.

Bereits vor den Spielen in London gab es einige Enttäuschungen bei den Qualifikationsturnieren. Damit meine ich vor allem die Mannschaftssportarten wie Basketball, Handball und Wasserball, für die sich keine deutsche Mannschaft qualifizieren konnte.

Und Fußball. Deutschland – Fußballland, „Schland“. Da haben es auch beide Mannschaften nicht hingekriegt. Aber das sind auch zum Teil beknackte Qualifikationskriterien. Also dass eine absolut dominierende Fußballmannschaft, die der Frauen, nicht zu Olympia darf, weil sie dieses eine Spiel in der Verlängerung verliert gegen Japan, das kann einfach nicht sein. Und im Volleyball ist es genauso: die EM-Zweiten, die Frauen dürfen nicht mitspielen, während die Männer als EM-Neunte sich über vier Qualifikationsturniere tatsächlich noch dahinspielen können. Da ist manches sehr zwiespältig. Aber vom Grundsatz her ist es sehr traurig, dass so wenige Mannschaften dabei sind.

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