Taekwondo

„Tae“ für „Fuß“, „Kwon“ für „Faust“ und „Do“ für „Kunst“ – Taekwondo ist demnach die Kunst des Tretens und Schlagens. Bei den Olympischen Spielen findet eine moderne Form des Taekwondos ihren Platz, die erst 1973 anerkannt wurde. Ihre Wurzeln hat die Sportart aber in den frühen Formen der „Martial Arts“ – asiatische Kampfkünste, die schon vor mehr als 5.000 Jahren praktiziert wurden.

Beim modernen Taekwondo wird auf einem 8 x 8 m großen Court gekämpft. Im Eins-gegen-eins geht es darum, Schläge und Tritte auf die von Protektoren geschützten Köperteile zu setzen. Geschützt sind der Torso sowie der Kopf, wobei der Kämpfer nur mit dem Fuß den Kopf des Gegners angreifen darf. Ebenso darf der Angreifer nur mit dem Fuß unterhalb des Knöchels und mit einer geschlossenen Hand, also einer Faust, Treffer setzen.

In drei Runden á zwei Minuten gilt es, den Gegner auf Abstand zu halten und selber durch Treffer Punkte zu sammeln. Liegen die Kontrahenten nach den drei Runden gleich auf, gibt es eine weitere, entscheidende Runde – ein sogenanntes „Sudden Death“.

Dafür gibt es Punkte

  • Einen Punkt für einen Treffer auf den Oberkörper
  • Zwei Punkte für einen Kreistritt gegen den Oberkörper
  • Drei Punkte für einen Tritt gegen den Kopf
  • Vier Punkte für einen Kreistritt gegen den Kopf

Man darf seinen Gegner auch durch einen Ko besiegen.

Die Gewichtsklassen

Anders als bei Weltmeisterschaften wird bei den Olympischen Spielen statt in acht in nur vier verschiedenen Gewichtsklassen gekämpft.
Männer                               Frauen
-58 kg                                   -49 kg
-68 kg                                   -57 kg
-80 kg                                   -67 kg
>80 kg                                  >67 kg

Bei den Olympischen Spielen treten die Taekwondo-Kämpfer nur in Sparrings gegeneinander an. In anderen Wettkämpfen spielen aber auch Bruchtests (das Durchtreten oder –schlagen von Holzbrettern oder Ziegel), Poomsae (das Vorführen von verschiedenen Kampfchoreographien) und Selbstverteidigung eine wichtige Rolle.


Alle Augen auf:

Steven Lòpez (USA). Zweifacher Olympiasieger und fünffacher Weltmeister – so lesen sich die beeindruckenden Erfolge von Steven Lòpez, dessen ganze Familie dem Taekwondo-Sport verfallen ist. Vor vier Jahren nahm er zusammen mit seinen drei Geschwistern an den Olympischen Spielen in Peking teil und gewann Bronze in seiner Gewichtsklasse. Mittlerweile wird der 33-Jährige von seinem älteren Bruder Mark trainiert. Der US-Amerikaner scheint jedoch ein bisschen in die Jahre gekommen zu sein, denn seit 2009 gab es keinen Titel mehr. Bei den Weltmeisterschaften 2011 musste er schon früh die Segel streichen. Trotzdem ist er einer der Topfavoriten auf die Goldmedaille.

Sarah Stevenson (Großbritannien). Hoffnung für die Gastgeber. Sarah Stevenson ist eine der besten Taekwondo-Kämpferinnen ihrer Gewichtsklasse. In Penking gewann sie vor vier Jahren Bronze. Bei den Taekwondo-Weltmeisterschaften reichte es 2011 sogar zum Titel. Auch bei Europameisterschaften ist die 29-Jährige Dauergast auf dem Treppchen und demnach ein ganz heißer Favorit auf die Goldmedaille vor heimischem Publikum.

Titelbilder von Bridget Coila und Marco Paköeningrat (Creative Commons)

„Nicht Gejagte, sondern erfolgreiche Jäger“ – Kristof Wilke im Interview

Der Deutschlandachter ist seit den Olympischen Spielen von Peking unbesiegt und fährt nun als einer der Top-Favoriten nach London. Road to London sprach mit Schlagmann Kristof Wilke über die Entwicklung des Deutschlandachters, das schlechte Abschneiden in Peking und über die Rudernation Großbritannien.  

Road to London: Kristof, vielleicht kannst Du meinen Usern mal erklären, wo der Unterschied zwischen den beiden Ruder-Techniken, Riemenrudern und Skullen, liegt und wann man sich für eine bestimmte Technik entscheidet. Hat das vielleicht etwas mit dem Körperbau zu tun?

Kristof Wilke: Beim Skullen hat man jeweils ein Ruder in jeder Hand, die kleinste Bootsklasse ist hierbei der Einer. Beim Riemenrudern hat man nur ein Ruder in beiden Händen, das jeweils entweder nach Steuerbord oder Backbord aus dem Boot geht. Daher ist hier die kleinste Bootsklasse der Zweier, damit das Boot auch geradeaus fährt. Mit dem Körperbau hat das nur wenig zu tun. Allgemein sagt man, dass man beim Riemenrudern etwas größer sein muss als beim Skullen, um die geforderte Durchzugslänge zu erreichen.

Warum hast Du Dich für das Riemenrudern entschieden?

Ich habe mich in erster Linie für das Riemenrudern entschieden, weil ich viel lieber im Team rudere als alleine, auch wenn das Team nur aus zwei Personen besteht.

Nun bist Du Schlagmann im „Deutschlandachter“. Was genau sind dort deine Aufgaben?

Als Schlagmann habe ich die Aufgabe den Rhythmus des Schlages vorzugeben. Dann setze ich die taktischen Kommandos unseres Steuermanns um. Ich bin jedoch auf meine komplette Mannschaft, die hinter mir sitzt, angewiesen. Deshalb bin ich nicht mehr und nicht weniger als einer von 8 Ruderern, die versuchen möglichst schnell von A nach B zu kommen.

Was bedeutet Dir die Teilnahme an den Olympischen Spielen? Und wie hast Du Dich bei deiner ersten Teilnahme in Peking gefühlt?

Die Olympischen Spiele sind sportartenübergreifend das größte Ereignis, das ein Athlet erreichen kann, wenn man mal von den Profisportarten wie zum Beispiel Fußball und Tennis absieht. Da sie nur alle vier Jahre stattfinden, haben sie einen deutlich höheren Stellenwert als Welt- und Europameisterschaften und sind das große Ziel eines jeden Athleten.

Die Olympischen Spiele in Peking waren rein sportlich gesehen natürlich ein ziemlicher Reinfall, aber ich habe sie trotzdem als sehr schön in Erinnerung. Das Einlaufen bei der Eröffnungsfeier und das Leben im Olympischen Dorf mit Athleten aus aller Welt sind Momente, die ich niemals vergessen werde.

Deutschlandachter (Quelle: Kristof Wilke)
Deutschlandachter (Quelle: Kristof Wilke)

Vor den Spielen in Peking bist Du relativ kurzfristig noch in den Achter berufen worden. Ursprünglich wolltest Du im Vierer antreten. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Über die ganze Saison wurden damals viele Fehlentscheidungen von dem damaligen Bundestrainer gefällt. Der eigentliche Achter brachte keine guten Leistungen und wurde viel zu spät und auch auf unfaire Weise nicht für die Spiele nominiert. Der Ruderverband traf unüberlegte, überstürzte Entscheidungen und setze auf eine junge Mannschaft, die zwar schnell in den Klein- und Mittelbooten war, leistungsstark und auch gewillt, allerdings aber auch unerfahren.

Du hast Dich also mit dieser Entscheidung nicht wohl gefühlt?

Ich war damals froh, mich so für die Olympischen Spiele qualifiziert zu haben. Noch dazu habe ich mich in einer tollen Mannschaft eingefunden. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit den Jungs zu rudern. Allerdings habe ich mich rein sportlich nicht wirklich wohl gefühlt, ich hatte keinerlei Erfahrungen im Achterrudern. Die Jahre davor war ich im Zweier und Vierer ohne Steuermann sehr erfolgreich und fühlte mich im Achter nicht wirklich wohl.

Könnte man das schlechte Abschneiden in Peking vielleicht damit begründen, dass das Team nicht genug Zeit zusammen hatte, nicht eingespielt war?

Das ist mit Sicherheit der Hauptgrund, weshalb das Rudern während der Rennen in Peking nur schlecht geklappt hat. Es ist schon sehr wichtig, dass sich die acht Athleten in einem Achter aufeinander eingespielt haben, dass sie sich während des Rennens gleichmäßig belasten und so gemeinsam ermüden. Gerade in der speziellen Situation der Olympischen Spiele und unter der Belastung des Rennes hat das damals nicht mehr gut funktioniert. Zwei Monate waren definitiv viel zu wenig Vorbereitung.

Was muss sich ändern, damit dies in London nicht nochmal passiert?

Ich denke, dass alle Fehler, die damals gemacht wurden, bereits ausgebügelt wurden und unser neuer Trainer sehr genau darauf achtet, dass diese nicht noch einmal begangen werden. Das zeigt sich ja auch im Erfolg der letzten drei Jahre. Zumindest wurde der Achter diese Saison bisher nur auf einer Position im Vergleich zum letzten Jahr geändert. Eingefahren sind wir also schon einmal.

Du fährst mit dem „Deutschlandachter“ als dreimaliger Weltmeister (2009, 2010, 2011) nach London und bist auch dort meiner Meinung nach mit deinem Team Titelfavorit. Wie hoch schätzt Du den Druck ein, der auf Dir und deinen Mannschaftskollegen lastet und wie gehst Du damit um?

Ich sehe uns nicht unbedingt als Titelfavorit, sondern eher die Briten, die bei ihren Heimspielen an den Start gehen werden und sehr hohe Ambitionen haben. In Großbritannien hat der Rudersport einen wesentlich größeren Stellenwert als hier in Deutschland, der Verband ist sehr professionell organisiert und verfügt über ganz andere Mittel als der deutsche.

Die Siegesserie der vergangenen Jahre spricht eine andere Sprache.

Ich sehe uns trotzdem auch in dieser Saison nicht als die Gejagten, sondern eher als erfolgreiche Jäger, auch wenn die Ergebnisse das anders wiedergeben. Wir freuen uns bei jeder Regatta, wenn wir die Briten wieder geschlagen haben, wissen aber dass sie in London sehr stark sein werden, wie auch alle anderen 6 Achter, die dort an den Start gehen werden.

Klar, die Erwartungen in Deutschland sind hoch, besonders nach der Siegesserie der vergangenen Jahre. Dennoch denke ich, dass wir mit dem Druck bisher ganz gut umgegangen sind. Solange der größte Druck von uns ausgeht – und ich hoffe das bleibt so -, ist das nur positiv.

Was ist das mannschafts-interne Ziel für London?

Natürlich wollen wir Gold gewinnen! Es wäre ja auch albern etwas anderes zu behaupten. Wir haben seit den Spielen in Peking kein Rennen verloren und wollen das auch in London nicht. Das Problem dabei: Alle anderen Achter in London wollen das auch. Auch wenn das in Peking so aussah, als wollte der deutsche Achter nur an den Spielen teilnehmen – dem war nicht so. Jeder Sportler, der an den Olympischen Spielen teilnimmt, will um Gold kämpfen.

Titelbild von Kristof Wilke

BMX

BMX ist die jüngste Raddisziplin in der Geschichte der Olympischen Spiele. Der Wettbewerb feierte erst vor vier Jahren in Peking Premiere, sorgte dort aber bereits für Furore. Wenn die acht Fahrer pro Lauf gleichzeitig nebeneinander auf den Dirt-Track losgelassen werden, dann ist für Action und Spannung gesorgt. Auf den knapp 400 Metern müssen die BMX-Piloten mehrere Sprünge, Steilkurven und Buckel meistern.

Das wichtigste Attribut eines guten BMX-Fahrers ist seine blitzschnelle Reaktion. Dadurch, dass die Renndistanz nur sehr kurz ist, ist es wichtig, einen schnellen Start von der acht Meter hohen Startrampe hinzulegen und sich eine gute Ausgangsposition auf der Strecke zu verschaffen. Kraft, Stärke und Ausdauer müssen die Fahrer ebenfalls an den Tag legen, da sie in sogenannten back-to-back-Rennen mehrmals täglich an den Start gehen.

Alle Augen auf:

Connor Fields (USA). Der 20 Jahre junge US-Amerikaner führt zurzeit den BMX-Gesamtweltcup an und dominiert die Szene nach Belieben. Auch in London ist er der Top-Favorit auf den Titel. Der Lette Maris Strombergs gewann zwar in Peking das erste BMX-Gold der olympischen Geschichte, befindet sich aber zurzeit nur auf Platz sieben im Gesamtweltcup. Eine Titelverteidigung scheint somit ausgeschlossen.

Caroline Buchanan (Australien). Bei den Frauen führt die Australierin Caroline Buchanan den Gesamtweltcup an. Die 24-Jährige hat in den ersten neun Rennen in diesem Jahr fünfmal den ersten Platz belegt. Damit gilt Buchanan auch in London als Favorit. Dahinter lauern die US-Amerikanerin Brooke Crain und Magalie Pottier aus Frankreich.

Titelbild von „carlbob“ (Creative Commons)

Beachvolleyball

Beachvolleyball ist eine der beliebtesten Sportarten bei Olympischen Spielen. Und das liegt nicht nur daran, dass weibliche und männliche Athleten so knapp bekleidet sind. Die Sportart ist extrem zuschauerfreundlich und immer mit der nötigen Portion guter Laune augestattet. Die Südamerikaner tragen ihren Teil dazu bei. Vorneweg Brasilien, das sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern eine der dominierenden Nationen in diesem Wettbewerb ist. Blaskapelle und Rasseln der brasilianischen Zuschauer werden auch die Beachvolleyball-Arena in London in ein Samba-Tollhaus verwandeln. Einzig Londons launisches Wetter könnte einen Strich durch diese Rechnung machen.

Als relativ junge olympische Disziplin feierte Beachvolleyball erst 1996 sein Debüt bei den Olympischen Spielen in Atlanta. Vier Jahre später wurden die olympischen Wettkämpfe am berühmten Bondi Beach in Sydney ausgetragen. Weil weit und breit kein Strand in Sicht ist, mussten sich die Veranstalter in London etwas anderes einfallen lassen. Die zwei Medaillen-Events finden nun vor der Haustür des britischen Premierministers statt – auf dem berühmten Horse Guards Parade. Im 16. Jahrhundert wurden hier noch Turniere im Lanzenstechen ausgetragen. 2012 bekommt London an dieser Stelle seinen ganz persönlichen Strand in einer temporären Arena vor atemberaubender historischer Kulisse. 120 Trucks haben dafür 2274 Tonnen Sand angekarrt.

Alle Augen auf:

Emanuel Rego und Alison Cerutti (Brasilien). Das neu formierte brasilianische Duo fährt als amtierender Weltmeister und FIVB-Tour-Champion zu den Olympischen Spielen nach London. In diesem Team treffen Erfahrung und jugendliche Power aufeinander. Während Emauel (39) bereits ein alter Hase im Beachvolleyball ist und 2004 auch schon einmal olympisches Gold gewann, steht ihm mit Alison (26) ein Olympia-Debütant zur Seite. Doch dieser konnte im letzten Jahr mehrere Auszeichnungen der FIVB einheimsen. Darunter die des besten Blockers, des besten Hitters und des besten Offensivspielers. Mein Favoritentipp für London 2012.

Julius Brink und Jonas Reckermann (Deutschland). Das deutsche Duo hat zumindest große Chancen auf einen Podiumsplatz in London. 2009 wurden Brink und Reckermann überraschend Weltmeister und gehören seitdem zur absoluten Beachvolleyball-Elite. Die olympische Medaille ist zum Greifen nah.

Larissa Franca und Juliana Felisberta da Silva (Brasilien). Auch bei den Beachvolleyball-Damen dominieren die Brasilianer. Larissa und Juliana wurden im letzten Jahr FIVB-Tour-Champions und konnten sich wie die Männer den Weltmeistertitel in Rom sichern. Aufpassen müssen die beiden auf die zweifachen Olympia-Sieger (2004, 2008) Kerri Walsh und Misty May-Treanor. Die US-Amerikanerinnen wissen um ihre Stärken bei Olympischen Spielen.

Titelbilder von akiwitz und Brazil women’s Beachvolleyball Team (Creative Commons)

Für den geliebten Vater – Turmspringer Tom Daley im Porträt

Mit sieben Jahren hat Tom Daley mit dem Turmspringen begonnen. Nur weitere sieben Jahre später ist er in der Weltspitze angekommen. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking war der damals 14-Jährige Daley der jüngste Athlet, der das Finale in seiner Sportart erreichte. Es war der Anfang einer Bilderbuch-Karriere eines sympathischen Teenagers, der einen großen Verlust zu verkraften hat.

Einige Sportler müssen jahrelang hart trainieren, um zu den Besten in ihrer Sportart zu gehören, der britische Turmspringer Tom Daley scheint einfach das nötige Talent für das Turmspringen mitzubringen. Soll nicht heißen, dass nicht auch er hart trainiert, aber es sind doch immer wieder die Beispiele junger erfolgreicher Sportler, die zeigen, dass mehr dazu gehört als nur harte Arbeit. Boris Becker (Wimbledonsieger mit 17), der Australier Ian Thorpe (Schwimm-Weltmeister mit 15) oder Fußballlegende Pele (Fußball-Weltmeister mit 17) sind nur einige Beispiele. Auch Tom Daley gehört zum elitären Kreis der Sportler, die bereits früh in ihrer Karriere große Erfolge feiern konnten.

Weltmeister 2009 in Rom

Eigentlich wollte Daley bei den Turmspring-Weltmeisterschaften in Rom 2009 nur das Finale erreichen. „Rausgehen und Spaß haben“ war die Devise, erzählte er nach dem Wettbewerb im Interview. Was stattdessen eintraf, kann er hinterher selbst nicht fassen: „Heute war nie der Tag, an dem ich dachte, ich könnte Weltmeister werden. Ich bin aufgewacht und dachte nur daran, rauszugehen und es zu genießen. Die Goldmedaille zu gewinnen, war für mich undenkbar. Ich habe es immer noch nicht verdaut.“ An diesem Tag schrieb Daley zum zweiten Mal Geschichte. Mit 15 wurde er Großbritanniens jüngster Turmspring-Weltmeister.

Tom Daley (Quelle: cc Charles McCain)
Tom Daley (Quelle: cc Charles McCain)

Doch der Erfolg von Daley weckte schon früh seine Neider. Bereits vor seiner ersten Olympia-Teilnahme in Peking wurde Daley in der Schule in seiner Heimatstadt Plymouth gemobbt. Einige seiner Mitschüler hätten ihn mit Gegenständen beworfen, ihm Spitznamen wie „Diver-Boy“ gegeben und manche hätten ihm sogar damit gedroht, seine Beine zu brechen, erzählte Daleys Vater Rob gegenüber der Online-Ausgabe des britischen „Guardian“: „Es kommt der Punkt, an dem genug einfach genug ist.“ Um seinen Sohn zu schützen, nahm Rob ihn vorübergehend von der Schule. Doch schon bald kam der Zeitpunkt, ab dem sich der junge Tom selber schützen musste.

Sein krebskranker Vater als ständiger Begleiter

2006 wurde bei Rob Daley ein Gehirntumor festgestellt. Er gab daraufhin seinen Job auf, um seinen Sohn begleiten und Kraft aus seiner engen Verbindung zu ihm schöpfen zu können. Noch im selben Jahr unterzog er sich einer schweren Operation. 80 Prozent des Tumors wurden entfernt. In den folgenden Jahren befand sich Rob auf dem Weg der Besserung, schien den Krebs besiegt zu haben. Doch 2010 kam der erneute Rückschlag. Bei einer Routineuntersuchung stellten die Ärzte fest, dass der Tumor zurückgekehrt war. Aufgeben mochte er noch nicht. Sein größter Wunsch war es, seinen Sohn bei den Olympischen Spielen in London siegen zu sehen. „London 2012 ist eine große Motivation für mich. Werde ich da sein? Tom ist das Öl in meiner Lampe und er wird mich weiterbrennen lassen“, erzählte Rob im Oktober 2010 in einem Interview mit der „BBC“. 14 Monate vor Beginn der Olympischen Spiele erlosch die Flamme. Im Mai 2011 verlor Rob Daley im Alter von 40 Jahren den Kampf gegen seine schwere Krankheit. Ein schwerer Schlag für Sohn Tom und die ganze Familie. „Ich hoffe, er wird es beobachten und seine Union-Jack-Flagge in London von irgendwo anders aus schwenken. Ich liebe Dich so sehr, Papa“, äußerte sich der 17-Jährige zum tragischen Tod seines Vaters.

Freunde, Familie und Fans

Für Tom Daley begann ein schwieriges Jahr. Er kämpfte mit der Trauer, war und ist trotzdem fokussiert auf Olympia. Kraft dafür sucht er bei seiner Familie und seinen Freunden, die er so oft es geht sehe, wenn er mal nicht trainiere oder auf Wettkämpfen sei. Was dabei rauskommt, wenn der Sonnyboy zu viel Zeit mit seinen Freunden und Teamkameraden verbringt, sieht man unter anderem an einem Musikvideo bei Youtube, das er mit ihnen zu dem Song „Sexy and I Know It“ von LMFAO gedreht hat. An einem Strand stellen Daley und Co. darin ihre durchtrainierten Körper zur Show, hampeln wie wild umher und bewegen ihre Lippen zum Gesang.

Neben Familie und Freunden seien ihm aber auch seine Fans besonders wichtig, „weil das die Leute sind, die einem folgen und unterstützen und dafür sorgen, dass man sich wohl fühlt, wenn man am Rand des Sprungturms steht“, sagte er kürzlich in einem Interview.

Druck ummünzen in Energie

Vor Heimpublikum bei den Olympischen Spielen in London kann er sich der Unterstützung seiner vielen Fans gewiss sein, auch wenn es sicherlich den Druck etwas erhöht. „Diesen Druck und die heimische Kulisse muss man versuchen, für sich zu nutzen“, analysiert Daley, der groß auftrumpfen will. In London möchte der dann 18-Jährige den Sprung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad in sein Programm mit aufnehmen – den Twister. Rückwärts abgesprungen vollzieht der Springer einen zweieinhalbfachen Salto, wobei beim ersten Salto eine zweieinhalbfache Schraube mit eingebaut ist. Es ist der Sprung, der Daley 2009 zum Weltmeister machte, nicht weil er ihn sprang, sondern weil seine ärgsten Konkurrenten ihn versuchten und patzten. „Man geht ein hohes Risiko ein, wenn man den Sprung versucht, aber es lohnt sich, dieses Risiko einzugehen“, so Daley.

Titelbild von Charles McCain (Creative Commons)

Rudern

Seit Paris 1900 ist das Rudern fester Bestandteil der Olympischen Spiele. Grundsätzlich wird zwischen zwei Techniken unterschieden: Riemenrudern und Skullen. Hält der Ruderer beim Riemenrudern nur einen Riemen in beiden Händen und bedient somit nur eine Schlagseite, hat ein Ruderer beim Skullen jeweils einen Skull in jeder Hand.

Das bekannteste aller Ruderrennen findet jährlich in London auf der Themse statt. Das sogenannte „Boat Race“ ist das Prestige-Duell der Ruder-Achter der beiden Universitäten Cambridge und Oxford, das 1829 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Bei den Olympischen Spielen stehen ebenfalls die Riemen-Achter im Mittelpunkt, auch wenn der Austragungsort nicht derselbe ist. Die olympischen Rennen finden auf dem Eton Dorney Lake statt. Aber nicht nur in England hat das Rudern eine lange Tradition, auch die deutschen Ruderer blicken auf zahlreiche internationale Erfolge zurück. Das Paradeboot ist der Deutschlandachter, der inklusive der DDR-Medaillen bereits fünfmal olympisches Gold und zahlreiche Weltmeistertitel eingefahren hat.

Alle Ruder-Events im Überblick

Die olympischen Regatten werden über eine Distanz von 2.000 Metern ausgefahren.
Männer:

  • Einer
  • Zweier
  • Doppelzweier
  • Vierer
  • Doppelvierer
  • Achter mit Steuermann
  • Leichtgewichts-Doppelzweier
  • Leichtgewichts-Vierer

Frauen:

  • Einer
  • Zweier
  • Doppelzweier
  • Doppelvierer
  • Achter mit Steuerfrau
  • Leichtgewichts-Doppelzweier

 Alle Augen auf:

Der Deutschlandachter (Deutschland). Der in dieser Olympiade (2008 – 2012) auf der 2000-m-Stecke ungeschlagene Deutschlandachter kommt als dreimaliger Weltmeister (2009, 2010, 2011) nach London. Die Favoritenrolle möchte der deutsche Bundetrainer Ralf Holtmeyer dennoch abgeben. „Die Konkurrenz ist stark, insbesondere die Engländer, die als Gastgeber für mich Favorit auf Olympia-Gold sind“, sagt Holtmeyer auf Deutschlandachter.de. Für den deutschen Riemen-Achter geht es vor allem darum, die Schmach von Peking wieder gut zu machen. Damals schied man bereits im Vorlauf aus. Sieben Plätze plus Schlagmann sind im Olympia-Boot so gut wie vergeben: Martin Sauer (Steuermann), Kristof Wilke (Schlagmann), Florian Mennigen, Lukas Müller, Richard Schmidt, Eric Johannesen, Maximilian Reinelt, Andreas Kuffner. Der achte Startplatz wird Mitte Juni bei der Qualifikationsregatta in Luzern ausgefahren.

Doppelvierer der Frauen (Deutschland). Auch bei den Damen stehen die Chancen auf eine Goldmedaille nicht schlecht. Der Doppelvierer mit Julia Richter, Tina Manker, Stephanie Schiller und Britta Oppelt wurde 2011 in Bled (Slowenien) Weltmeister. Zudem sitzen mit Oppelt und Schiller zwei erfahrene Olympioniken mit im Boot. Aufpassen muss der deutsche Doppelvierer auf das Team der USA und auf die starken Neuseeländerinnen.

Titelbild von Mr. Dandro (Creative Commons)

Schwimmen

Schnelligkeit, Technik und Ausdauer sind gefragt bei den 34 Medaillen-Events im Londoner „Aquatics Centre“ und auf der Schwimm-Marathon-Stecke über 10 km im Londoner Hyde Park. Auf verschiedenen Streckenlängen (von 50 m bis 10 km) messen sich die Athleten in den unterschiedlichen Stilen Brust, Freistil, Rücken und Schmetterling. Für jeden dieser Stile und Streckenlängen gibt es Spezialisten.

Alle Schwimm-Events im Überblick

Die Disziplinen sind bei den Frauen und Männern gleich.

  • Freistil: 50 m, 100 m, 200 m, 400 m, 1.500 m, 4 x 100 m, 4 x 200 m
  • Brust: 100 m, 200 m
  • Rücken: 100 m, 200 m
  • Schmetterling: 100 m, 200 m
  • Lagen: 200 m, 400 m, 4 x 100 m
  • 10 km (keine Stilvorgabe)

Alle Augen auf:

Michael Phelps (USA). Ganze 14 olympische Goldmedaillen hat der US-Amerikaner gesammelt und das, obwohl er erst zweimal an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Man muss ihn nahezu auf jeder Kurzstrecken-Disziplin auf der Rechnung haben. Seine Paradestrecken sind die 100 und 200 m Schmetterling, auf denen er übrigens auch den Weltrekord hält.

Ryan Lochte (USA). Der fünffache Weltmeister von Shanghai 2011 ist der zurzeit beste Schwimmer der Welt. In mehreren direkten Duellen war Lochte immer schneller als Phelps, schwamm die 200 m Lagen sogar in Weltrekordzeit. In London dürfte dieser Zweikampf bei den Schwimmwettkämpfen wieder im Mittelpunkt stehen.

Paul Biedermann (Deutschland). Bester deutscher Schwimmer ist nach wie vor Paul Biedermann. War er 2009 in London noch Weltmeister über 200 und 400 m Freistil, so musste er sich in Shanghai hinter Lochte und Phelps einreihen. Erwischt Biedermann einen guten Tag, ist für ihn sogar mehr drin als nur die Bronzemedaille.

Federica Pellegrini (Italien). Bei den Frauen ist das Feld ein bisschen dichter zusammen. Wenn man von einer Dominanz sprechen kann, dann höchstens auf den Freistil-Strecken über 200 und 400 m. Über diese Distanzen wurde Federica Pellegrini 2009 in Rom und 2011 in Shanghai Weltmeisterin. Auch die Weltrekorde in diesen Disziplinen hält die Italienerin.

Titelbilder von Charles McCain und Marco Paköeningrat (Creative Commons)

„Sydney war mein absoluter Traum“ – Petra Wassiluk im Interview

Die ehemalige Spitzenläuferin Petra Wassiluk nahm zweimal für Deutschland an den  Olympischen Spielen teil: Im Jahr 1996 ging sie in Atlanta über 5.000 Meter an den Start. In Sydney (2000) versuchte sie ihr Glück über die 10.000-Meter-Distanz. Mit Road to London sprach sie über ihren olympischen Traum, die Stimmung im olympischen Dorf und über mentale Tiefpunkte.

Road to London: Petra, wie war das 1996, als Du Dich das erste Mal für die Olympischen Spiele in Atlanta qualifiziert hast – ging da für Dich ein Traum in Erfüllung?

Petra Wassiluk: Ja, ein absoluter Traum. Ich denke, für jeden Sportler ist es das Allergößte, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Für mich war alles ein wenig überraschend, weil ich vorher noch nie bei Europa- oder Weltmeisterschaften dabei war und dann habe ich mich gleich bei meinem ersten internationalen Einsatz für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Du hast mit 25 Jahren aber erst recht spät den internationalen Durchbruch geschafft.

Ja, das ist wahr. Ich habe Leistungssport damals eher auf nationalem Niveau betrieben. Bei den deutschen Meisterschaften bin ich Fünfte oder Sechste geworden. Dass ich 1995 im Crosslauf Deutsche Meisterin geworden bin, war eher ein Zufallsprodukt. Mein Sportstudium ging zu diesem Zeitpunkt einfach vor, weshalb ich nur nebenbei Leistungssport betreiben konnte. Mir hat einfach die Zeit gefehlt, mich richtig dahinter zu klemmen.

„Die Hütte war voll. Das war schon beeindruckend vor dieser atemberaubenden Kulisse.“

Nach dem Studium bist Du nach San Diego gegangen – um Abstand zu gewinnen?

Aber nicht vom Leistungssport. Im Gegenteil: Aus der Not heraus, weil ich dort nicht wirklich arbeiten konnte, habe ich mehr trainiert und habe auch anders trainiert. Das Umfeld in San Diego war einfach klasse. Und dann bin ich überraschend zu einem späten Zeitpunkt noch einmal so gut geworden.

Hast Du da gespürt, dass es mit Olympia klappen könnte und dann alles auf eine Karte gesetzt?

Ich kam erst mal zurück und bin gelaufen – in Koblenz über 5.000 Meter eine 15:45. 15:25 war die Olympianorm. Danach hat jeder gesagt, ‚Du kannst doch die Olympianorm laufen‘. Ich habe da erst mal nicht dran geglaubt. Aber dann haben auch der damalige Bundestrainer und mein Trainer auf mich eingeredet. Ich entschied mich dafür, es zu versuchen. Es gibt ja nur eine Handvoll Rennen, bei denen man die Norm laufen kann. In Hengelo bin ich eine 15:22 gelaufen und habe meine Chance genutzt.

Kannst Du den Moment beschreiben, als du damals in das Olympiastadion in Atlanta eingelaufen bist?

Der Wettkampftag war total aufregend. Die Vorläufe über 5.000 Meter waren am Abend. Die Hütte war voll. Das war schon beeindruckend vor dieser atemberaubenden Kulisse und für mich war es natürlich auch ein Erlebnis, Sportlergrößen wie Carl Lewis dort zu sehen.

Du bist dann aber bereits im Vorlauf ausgeschieden.

Ja, ich habe mich nicht für den Endlauf qualifiziert. Aber sich auf den Langstrecken gegen Afrika durchzusetzen, ist einfach auch sehr schwierig.

Hattest Du dir denn im Vorfeld Chancen ausgerechnet, oder war ein Weiterkommen eigentlich aussichtslos?

Petra Wassiluk 1996 in Atlanta (Quelle: Petra Wassiluk)
Petra Wassiluk 1996 in Atlanta (Quelle: Petra Wassiluk)

Unglücklicherweise war ich etwas krank. Bei uns kamen damals zwölf in den Endlauf. Ich wurde 14. und bin nur knapp am Endlauf vorbeigeschrammt.  Es ist schon das Ziel, möglichst gut abzuschneiden. Aber ich hatte eine totale Erkältung, noch vor dem Wettkampf wurden mir Medikamente gespritzt. Deshalb war ich trotzdem zufrieden mit meiner Leistung.

Wie war die Stimmung im olympischen Dorf?

Viele Nationen treffen dort aufeinander, viele verschiedene Sportarten. Du bist in einem Dorf mit Leuten, die alle das gleiche Ziel haben. Das hat einen sehr verbindenden Charakter. Man erkennt auch sofort, wer zu wem gehört, weil jedes Team in ihrem eigenen Dress herumläuft. Es macht einfach Spaß, diese Internationalität zu erleben.

Und das ist bei jeden olympischen Spielen gleich?

Jede Olympischen Spiele haben natürlich ihren eigenen Charakter, allein schon wie das Dorf aufgebaut ist. In Atlanta haben wir in Hochhäusern gewohnt. Dort war es für mein Befinden deutlich kühler, während Sydney eher wie ein Dorf war, weil wir in mehreren Mehrfamilienhäusern untergebracht waren. Das war ein bisschen kuscheliger, für mich angenehmer.

Wie geht es innerhalb des eigenen Teams zu?

Im Team herrscht zwar eine gute Stimmung, aber natürlich auch eine Anspannung. Der Druck von Seiten der Medien ist groß. Zusätzlich macht man sich selbst Druck und ist sehr fokussiert auf das, was kommt.

Wie bist du mit dieser Anspannung umgegangen?

Jeder muss da seinen eigenen Weg finden: Suchst du eher Leute, um dich abzulenken, oder bist Du mehr der Eigenbrötler, in dich gekehrt und suchst Dir lieber eine ruhige Ecke, wo Du dir Kopfhörer aufsetzt und dann mit deiner Musik alleine bist. Ruhe zu finden war aber nicht immer einfach für mich. Wenn ich an Atlanta denke – dort habe ich mit meiner Zimmerpartnerin auf zehn Quadratmetern gelebt. Man konnte sich kaum umdrehen, weil alles sehr eng war und weil noch hunderte von anderen Leuten da waren. Das ist kein Luxus. Da muss man sich schon arrangieren, auch weil man mit Leuten zusammen ist, mit denen man vielleicht nicht zusammen sein will.

Welche Spiele waren für die bedeutender? Dein erstes Mal in Atlanta oder vier Jahre später in Sydney?

Das waren ganz klar die Spiele in Sydney 2000. Das war ein absoluter Traum von mir. 1996 in Atlanta kam es eher überraschend, dass ich mich überhaupt qualifiziert habe. Danach folgten vier turbulente Jahre mit Höhen und Tiefen und dann schließlich Sydney – mein absoluter Traum, auch vom Land her, den Menschen dort und den Spielen an sich. Von Atlanta war ich eher ein bisschen enttäuscht, ich habe da einfach mehr erwartet. Ich fand es ein bisschen befremdlich – das Stadion war mitten in den Slums hochgezogen. Man wurde mit einem Bus dort hin gekarrt, und bekam diese Gegensätze zu spüren.

Du sprichst von Höhen und Tiefen zwischen 1996 und 2000. Welche Tiefpunkte waren das?

Ich hatte in dieser Zeit mehrere Verletzungen: Einen Archillessehnen-Anriss, eine Schleimbeutelentzündung. Beim Leistungssport bleibt es nicht aus, dass man Belastungsschäden hat. Aber dann hat mich eine Sache auch mental ziemlich runtergezogen – ich bekam nach einem Wettkampf eine Sperre wegen Koffeinmissbrauchs. Ich konnte nicht nachweisen, dass ich eine Koffeinüberreaktion hatte und wenn man etwas nicht nachweisen kann, dann glaubt einem eigentlich niemand mehr. Aber daraus lernt man, um dann auch vom Tiefpunkt nach oben zu kommen und das ist mir zum Glück im Jahr 2000 auch gelungen.

Als Organisatorin des Frankfurt Marathons hat dein Beruf immer noch mit dem Laufsport zu tun. Du hast Dich also komplett dem Sport verschrieben.

Das hat sich einfach so ergeben. Ich hab ja schon mit zehn Jahren angefangen mit dem Laufen, das hat mich mein ganzes Leben begleitet. 2002 hatte ich dann wieder was am Fuß und hatte eine längere OP und dann war ich mit 30 auch wirklich nicht mehr die Jüngste. Ich wollte die Pause mit einem Praktikum überbrücken und kam so zum Frankfurt-Marathon. Als mir danach ein Job angeboten wurde, war für mich relativ schnell klar, dass ich die Chance ergreifen würde. Jetzt organisiere ich unter anderem den Frankfurt Marathon, trainiere aber auch noch nebenbei Breitensportler und Triathleten, um auch selbst noch aktiv zu sein.

Petra, vielen Dank für das Gespräch.

Titelbild von Petra Wassiluk

Leichtathletik / Wurf

Vier unterschiedliche Wurfobjekte mit verschiedenartigen Flugeigenschaften gibt es bei den vier Wurf-Wettbewerben der Olympischen Spiele. Das Gewicht dieser Wurfobjekte liegt zwischen 0,6 kg und 7,26 kg. Der perfekter Wurf bzw. Stoß setzt eine tadellose Technik des Athleten voraus. Er muss gleichzeitig auf verschiedene Aspekte achten. Die Energieübertragung von Körper zu Wurfgerät, der richtige Anstellwinkel, der zeitgenaue Abwurf und viele weitere kleine Nuancen spielen eine Rolle. Schon in der Antike gehörten Wurfwettbewerbe zum festen Kern der Olympischen Spiele. Das Kräftemessen mittels Weitwurfs schwerer Gegenstände ist in der Kultur des Menschen fest verankert.

Diskuswurf

Der Diskuswurf war Teil des antiken Fünfkampfes und wurde schon 708 v. Chr. bei den Olympischen Spielen als Wettbewerb ausgetragen. Damals benutzte man linsenförmige Scheiben aus Stein oder Metall mit einem Gewicht zwischen 1,25 und 5,7 kg. Heutzutage besteht ein Diskus aus einem Holz- oder Kunststoffkern mit einer Fassung aus Metall und wiegt bei den Männern 2 kg und bei den Frauen 1 kg. Im Abwurfkreis versucht der Werfer mittels einer Drehbewegung und durch das Ein- und wieder Ausdrehen seines Körpers, Energie frei zu machen und auf den Diskus zu übertragen. In der Abwurfphase kommt es nicht nur auf den Abwurfwinkel an, sondern auch auf den Anstellwinkel des Diskus selber. Dieser muss nämlich während der Flugphase genug Auftrieb bekommen, um eine gute Weite zu erzielen. Die Weltrekorde im Diskuswurf bei den Männern sowie bei den Frauen sind schon seit geraumer in festen Händen zweier DDR-Sportler.

  • Weltrekord (M): 74,08 m, Jürgen Schult, aufgestellt am 6. Juni 1986 in Neubrandenburg
  • Weltrekord (F): 76,80 m, Gabriele Reinsch, aufgestellt am 9. Juli 1988 in Neubrandenburg

Alle Augen auf:

Robert Harting (Deutschland). Endlich mal ein deutscher Favorit bei den Leichtathletik-Disziplinen. Generell ist die deutsche Mannschaft bei den Wurfdisziplinen sehr gut aufgestellt. Harting wurde 2009 in Berlin und 2011 in Daegu Weltmeister und überzeugt vor allem durch seine enorme Konstanz bei internationalen Wettbewerben. Kurz nach der Leichtathletik-WM 2011 musste sich der 27-Jährige am Knie operieren lassen, ist aber momentan wieder im Aufbautraining und sollte seine Weltmeister-Form bis London wieder finden. Eine Verbesserung der persönlichen Bestleistung (69,69 m) ist drin, der Weltrekord von 1986 bleibt aber bestehen.

Nadine Müller (Deutschland). Sie ist die momentan beste deutsche Diskuswerferin. Ob es in London jedoch für einen Platz ganz oben auf dem Treppchen reicht, bleibt abzuwarten. Die Konkurrenz ist stark, wenn auch nicht unschlagbar. In Daegu wurde Müller Vize-Weltmeisterin und hat somit zumindest einen Medaillenrang fest im Visier.

Speerwurf

Auch der Speerwurf war Bestandteil des antiken Fünfkampfes. Der Speer ist das leichteste aller Wurfobjekte, und erzielt durch seine Stromlinienform die größten Weiten. Explosivität beim Abwurf und der richtige Anstellwinkel entscheiden über einen guten oder schlechten Wurf. 1986 (1999 bei den Frauen) wurde für den Speer eine neue Bauart vorgeschrieben. Seitdem hat kein Werfer mehr die 100-Meter-Marke geknackt (Bestweite: Jan Zelezny (Tschechien) 98,48 m). Bisher gelang dieses Kunststück auch nur einem einzigen Athleten.

  • Weltrekord (M): 104,80 m, Uwe Hohn (DDR), aufgestellt noch mit dem alten Speer am 20. Juli 1984 in Berlin
  • Weltrekord (F): 80,00 m, Petra Felke-Meier (DDR), aufgestellt noch mit dem alten Speer am 9. September 1988 in Potsdam

Alle Augen auf:

Matthias de Zordo (Deutschland). De Zordo fährt als amtierender Weltmeister nach London. Keine leichte Aufgabe für den 24-Jährigen aus Bad Kreuznach, der mit dem neuen Druck erst mal lernen muss, umzugehen. In der Regel ist er auch nicht der beste Werfer im Feld. Der Norweger Andreas Thorkildsen nahm sich nur 2011 eine kleine Titel-Auszeit und wurde in Daegu Zweiter. Der zweimalige Olympiasieger (2004, 2008) und mehrfache Weltmeister ist absoluter Favorit auf den Olympiasieg.

Barbora Spotáková (Tschechien). Sie hält mit 72,28 m die Bestweite mit dem neuen Speer (1999 eingeführt), wurde Olympiasiegerin in Peking und Vizeweltmeisterin in Daegu. Gefährlich werden kann ihr die Russin Marija Abakumowa, die Würfe an die 72-Meter-Marke drauf hat. Für die Goldmedaille in London wird also ein Wurf über 70 Meter zwingend notwendig sein. Ein Medaillenrang ist auch für die Deutsche Christina Obergföll drin. Sie hält mit 70,20 m den deutschen Rekord, mehr als Bronze wäre hingegen eine Überraschung.

Kugelstoßen

Die 7,26 kg (4 kg bei den Frauen) schwere Kugel wird am Hals angesetzt und von dort aus nach vorne weggestoßen. Dabei ist es wichtig, dass Kugel und Ellenbogen auf einer Linie sind und die Kugel auch nicht zu früh vom Hals gelöst wird, weil der Stoß sonst als ungültig gewertet wird. Apropos: Hier geht es nicht darum, wer am lautesten schreit, auch wenn man manchmal das Gefühl bekommen könnte. Durch das Herausschreien versuchen die Athleten, Druck abzulassen und Energie freizumachen.

  • Weltrekord (M): 23,12 m, Randy Barnes (USA), aufgestellt am 20. Mai 1990 in Westwood
  • Weltrekord (F):  22,63 m, Natalja Lissowskaja (Russland), aufgestellt am 07. Juni 1987 in Moskau

Alle Augen auf:

David Storl (Deutschland). Mit 21 Jahren ist er der bisher jüngste Kugelstoß-Weltmeister. In Daegu reichte dem Deutschen eine Weite von 21,78 m (persönliche Bestleistung) zum Sieg. In London muss er wohl eine Schippe drauflegen, auch weil ihm zum Beispiel der US-Amerikaner Christian Cantwell im Nacken sitzt. Dessen Bestleistung liegt deutlich über 22 Meter. Ein neuer Weltrekord wäre eine Überraschung.

Valerie Adams (Neuseeland). Weltmeisterin 2007, 2009 und 2011, dazu Olympiasiegerin 2008 mit erzielten Weiten jenseits der 20-Meter-Marke. An Adams kommt momentan keine Kugelstoßerin vorbei, die Titelverteidigung scheint nur Formsache zu sein. Mit einer persönlichen Bestleistung von 21,24 m fehlt ihr aber ein guter Meter zum Weltrekord. Ein neuer ist somit ausgeschlossen.

Hammerwurf

Beim Hammerwurf hängt die 7,26 kg schwere Kugel an einem Stahlseil. Wie wichtig Timing und Abflugwinkel (44° sind optimal) beim Hammerwurf sind, zeigt folgende Rechnung: Eine Abweichung von zwei Grad, rund fünf Prozent, verschlechtert die Wurfweite um etwa sechzig Zentimeter. Noch wichtiger ist jedoch die Abfluggeschwindigkeit. Für einen 75-Meter-Wurf liegt diese bei etwa 28 m/s. Wird die Geschwindigkeit um fünf Prozent erhöht (ca. 1,4 m/s), bedeutet das bei gleichbleibendem Abflugwinkel eine Weitensteigerung von sieben Metern.

  • Weltrekord (M): 86,74 m, Jurij Sedych (Russland), aufgestellt am 30. August 1986 in Stuttgart
  • Weltrekord (F): 79,42 m, Betty Heidler (Deutschland), aufgestellt am 21. Mai 2011 in Halle

Alle Augen auf:

Koji Murofushi (Japan). Bei den Männern ist die Weltspitze ziemlich dicht zusammengerückt. Für den Wettbewerb in London gibt es eigentlich keinen eindeutigen Favoriten. Der Japaner Murofushi fährt als Hammerwurf-Weltmeister zu den Olympischen Spielen, bei denen er 2004 in Athen sogar schon einmal die Goldmedaille gewann. Aufpassen muss Murofushi unter anderem auf den Slowenen Primoz Kozmus, der 2008 in Peking erster slowenischer Olympiasieger in der Leichtathletik wurde. Ein neuer Weltrekord ist nicht in Sicht.

Betty Heidler (Deutschland). Sie ist nicht nur Weltrekordhalterin, sondern auch amtierende Europameisterin. Alle Zeichen stünden auf Gold, wäre da nicht noch die Russin Tatjana Lyssenko, die regelmäßig über 77 Meter wirft. Hält Heidler dem Druck stand und wirft an ihre Bestmarke heran, holt sie sich den Sieg in London. Auch ein neuer Weltrekord ist durchaus möglich.

Titelbild von André Zehetbauer (Creative Commons)

Blanka, Wahnsinn! – Hochspringerin Blanka Vlasic im Porträt

Es herrscht niemals Stille im Stadion, wenn Hochspringerin Blanka Vlasic zu einem neuen Versuch ansetzt. Die Kroatin versteht es, die Massen zu animieren, sie in ihren Bann zu ziehen und alle Energie auf den einen Moment zu bündeln. Bunt, schrill, einzigartig – so könnte man die 1,93-m-große, schlaksige 28-Jährige auch beschreiben, die mit einer Bestleitung von 2,08 m nur einen Zentimeter vom Weltrekord entfernt ist.

Als ältestes Kind einer Sportfamilie wurde Blanka, deren Name sich von der marokkanischen Stadt Casablanca ableitet, am 8. November 1983 in Split geboren. Zu ihrer Geburtsstadt hat sie nach wie vor eine enge Beziehung: „Ich würde lieber hier meine Freizeit verbringen als irgendwo anders auf der Welt“, schreibt sie auf ihrem Blog. Mit sieben Jahren fand sie hier den Weg zur Leichtathletik, wurde von ihrem Vater, der selber Zehnkämpfer war, in nahezu jeder Disziplin trainiert. Später entschied sie sich, auch aufgrund ihrer Körpergröße, sich auf den Hochsprung zu spezialisieren.

Die richtige Entscheidung. Im Jahr 2000 schaffte sie bereits im Alter von 16 Jahren die Olympianorm für die Spiele in Sydney und landete mit einem Sprung von 1,92 m als damals jüngste Teilnehmerin auf dem 17. Rang.

Siege und wenige Niederlagen

Schaut man auf ihre bisherigen Erfolge, dann wird man vom Gold geblendet: Europameisterin 2010 in Barcelona, mehrfache Weltmeisterin in der Jugend und in der Erwachsenenkonkurrenz, dreimalige Siegerin der IAAF Welt-Finals.Nur ab und zu blitzt unter den vielen Goldmedaillen eine silberne hervor. Die wichtigste davon resultiert aus dem zweiten Platz bei den Olympischen Spielen 2008 in Beijing, als sie sich nur der Belgierin Tia Hellebaut geschlagen geben musste – für Außenstehende sicherlich die bitterste Niederlage ihrer Karriere. Zum ersten Mal in der Geschichte des Hochsprungs reichte ein Sprung über 2,05 m nicht zu einer Goldmedaille.

Drei Jahre später musste die 1,93-m-Hünin bei der Weltmeisterschaft in Daegu eine weitere Niederlage hinnehmen. Diesmal war die Russin Anna Tschitscherowa einen Tick besser.

Blanka Vlasic, Berlin 2009 (Quelle: cc André Zehetbauer)
Blanka Vlasic in Aktion, Berlin 2009 (Quelle: cc André Zehetbauer)

Erwartungshaltung ist groß

Trotzdem ist Kroatiens Lieblingssportlerin auch aufgrund ihrer Bestleistung absolute Favoritin auf den Olympia-Titel in London. Sie selbst sieht diese Rolle aber eher als Last an. „Wenn niemand auf dich setzt, dann ist man frei von jeglichem Druck“, sagte Vlasic in einem Interview mit „Laureus“. Es sei ein Erwartungsdruck, mit dem sie seit ihrem Weltmeistertitel 2007 in Osaka umgehen müsse. „Wenn man meine eigene Erwartungshaltung dazu addiert, dann ist das ein riesiger Batzen an Erwartungen, der mich natürlich stark unter Druck setzt.“

Da tut es sicher gut, sich nicht schon vorher verrückt zu machen. „Ich werde über London nachdenken, wenn die Zeit kommt“, sagt Vlasic, die sich im Januar einer Sprunggelenks-OP unterziehen musste, mittlerweile aber wieder voll ins Training eingestiegen ist.

Olympia vs. Weltrekord

Lange kann sie sich dem Gedanken an London aber nicht mehr entziehen, rücken die Spiele doch immer näher. Und natürlich träumt auch Vlasic davon, bei einem olympischen Wettbewerb einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen: „Olympia-Champion zu sein ist – glaube ich – der Traum eines jeden Athleten. Es ist einer meiner wenigen Träume“, eines der wenigen Ziele, die die Ausnahmeathletin während ihrer Karriere noch erreichen möchte.

Ziel Nummer eins ist jedoch ein anderes: Auf die Frage, ob ihr Olympisches Gold oder der Weltrekord lieber wäre, antwortete Vlasic, dass sie eher auf letzteres aus sei. Schließlich gäbe es viele Olympiasieger, aber nur eine Weltrekordhalterin. Und sie ist sich sicher, dass sie es schaffen kann: „Als ich 2,08 m gesprungen bin, konnte ich fühlen, dass ich noch höher kann.“

Titelbild von André Zehetbauer (Creative Commons)